Südafrika – Kruger national park (Teil 3)

Südafrika – Kruger national park (Teil 3)

4.9
(8)

Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.

Wilhelm von Humboldt

(Zu den anderen Urlaubserfahrungen in Südafrika)

Nach vier Tagen führt uns unser Weg von Skukuza zum Orpen Gate – wir verlassen den Park für volle vier Tage und machen uns auf den Weg zu Freunden. Bei unserem ersten Aufenthalt verbrachten wir eine Nacht in der Kum Kula Lodge und durften am nächsten Morgen mit Dave, dem Besitzer, auf einen Fussmarsch über das Gelände. „Ach wie hübsch“, denkt jetzt wohl so manch einer, „ein Fussmarsch über das Gelände einer Lodge“. Vielleicht müssen wir an dieser Stelle präzisieren, dass sich die Lodge IN einem Privatreservat befindet – ohne Umzäunung. Auf diesem Fussmarsch haben wir wohl so viel über die Tierwelt erfahren wie im ganzen Urlaub nicht. Dave war früher mal Guide und hatte zahlreiche Infos und Geschichten auf Lager. Es erstaunt also kaum, dass wir bei unserem nächsten Besuch etwas länger da waren. Und auch dieses Mal noch etwas länger und in einer ganz besonderen Unterkunft…

Kum Kula Lodge

Als wir Dave und seiner Familie schreiben, dass Südafrika nicht mehr auf der Liste der Covid-Risikogebiete steht und wir somit unsere Reise antreten können, ist die Freude auf beiden Seiten riesig. Seit unserem letzten Besuch halten wir den Kontakt und haben so immer ein bisschen Südafrika bei uns. Dave bietet uns für unseren Honeymoon sofort eine ganz besondere Unterkunft an: das Riverhouse.
Das Riverhouse war gerade erst fertiggestellt und befindet sich ca. fünf Minuten Autofahrt von der Mainlodge entfernt. Das Besondere daran? Kein Handyempfang. Keine Elektrizität. Vollkommene Abgeschiedenheit. Mitten in der Natur dieses wunderbaren Reservates. Umgeben von wilden Tieren. Genau unser Ding! Unlängst hatte die Familie hier eine Leopardin mit zwei Jungen auf ihrer Kamera gesehen. Jeweils gegen vier Uhr Morgens sollte sie in der Nähe sein. Allerdings ist sich Dave nicht sicher, ob sie allenfalls weitergezogen war. Löwen hatten sich offenbar einen Weg in diesen Teil des Reservats gebahnt und stellten damit eine Bedrohung für die Jungen dar. Die Besitzer des Reservats meinten aber, dass die Löwen mittlerweile wieder auf der anderen Seite des Flusses seien. Nach der Abenddämmerung müssten wir uns etwas vorsehen, meint Dave. Die Hippos kommen teilweise sehr nahe, um vom Sonnenlicht geschützt grasen zu können. Fühlen sie sich angegriffen, greifen sie ihrerseits an und erreichen dabei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 30 km/h. Und vor den Skorpionen sollen wir uns ebenfalls in Acht nehmen. Um die kleinen aber sehr giftigen Spinnentiere einzufangen, hatte er uns eigens eine Falle gebaut – eine in der Mitte eingeschnittene Cola-Flasche, mit der wir uns zur Wehr setzen könnten, ohne das Tier zu töten. Soweit so gut, nun beginnt also unsere viertägige Auszeit an einem der schönsten Orte um den Park.

Um ehrlich zu sein können wir aus diesen vier Tagen nicht viel berichten. Die Leopardin will sich nicht zeigen, aber das ist völlig in Ordnung. Zebras, Nyalas, Giraffen, ein Bushbaby und viele Äffchen unterhalten uns. Und ein etwas durchgeknallter Vogel… Wir geniessen die Stille, fahren zur Zubereitung des Essens jeweils in die Mainlodge, weil hier auch die Giraffen an den Teich zum Trinken kommen (das hatte uns bereits bei unserem ersten Besuch beeindruckt), geniessen die Gesellschaft der Familie und lassen die Seele baumeln. An unserem letzten Tag holt uns Dave mit seinem umgebauten Rangerover zu einem drive’n’walk durch einen Teil des Reservats ab. Wie bereits beim ersten Mal erzählt er uns Geschichten und Wissenswertes über die Pflanzen und Tiere dieser Gegend. Ein bisschen mulmig wird dir da schon, wenn er während des Spaziergangs feststellt: „Ah, frischer Dung eines Hippopotamus“. Welche Geschwindigkeit konnte dieses Tier schon wieder erreichen? Aber alles nicht so schlimm, relativiert er im nächsten Satz, schliesslich hat hier ein Ameisenlöwe (eine kleine Larve) bereits wieder ein Loch gebuddelt. Das dauert in der Regel acht Minuten. Ergo müsste auch der Hippo ca. acht Minuten von uns entfernt sein. Beruhigend…

Mit sehr viel Wehmut machen wir uns nach vier Tagen wieder auf den Weg in den Park. Die Zeit scheint hier einfach viel schneller voranzuschreiten als in unserem Alltag. Mit dem Versprechen, bald wieder vorbeizuschauen, machen wir uns auf den Weg zu unserer neuen Unterkunft.

Satara Restcamp

Trotz allem Wehmut ist es einfach schön, wieder in den Park zu fahren und die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Am meisten Tiere sieht man in der Regel tatsächlich in der Nähe der geteerten Strassen. Das hat verschiedene Gründe:
1. sieht man hier natürlich schon von weitem die anderen Autos und verpasst daher fast kein Tier. Auf den Nebenstrassen ist man oftmals alleine und muss hinter den Büschen und auf den Bäumen selbst nach den Schönheiten Ausschau halten. Selbst bei einer Geschwindigkeit von 20km/h verpasst man unter Umständen einen Leoparden, einen Geparden oder die seltenen Afrikanischen Wildhunde.
2. haben wir uns sagen lassen, dass Raubtiere die geteerten Strassen unterdessen sogar als Falle nutzen. Huftiere rutschen darauf öfter aus und sind somit leichte Beute.
Aber es gibt auch Ausnahmen. DIE Nebenstrassen schlechthin. Auf ihnen scheint es kaum einen Tag zu geben, an dem man kein (Raub-)Tier findet. Wie praktisch, dass eine davon sich in unmittelbarer Nähe zu unserem Restcamp befindet. Und wir werden nicht enttäuscht…

Dieses wunderschöne Leopardenmännchen läuft uns direkt vors Auto. Wir haben ihn eine halbe Stunde ganz für uns alleine, bevor er sein Glück versucht und sich an eine Herde Impalas weiter im Bush heranpirscht. Die Anmut, die Eleganz des Gangs und die Geschicklichkeit bei der Jagd faszinieren uns immer wieder aufs Neue. Und sie zu Gesicht zu bekommen ist ganz schön schwierig. Aber es scheint, dass das Glück es gut mit uns meint und unseren Honeymoon zu einem unvergesslichen Erlebnis machen will. Und wir nehmen dieses Geschenk gerne an 🙂

Im Camp angekommen beziehen wir unser Bungalow. Dieses Mal haben wir keine kopfüber hängenden Gäste sondern die ganze Unterkunft für uns. Die Bungalows verfügen über die notwendige Ausstattung ohne grossen Schnickschnack, aber dafür mit Elektrizität und sogar Handyempfang. Die Sauberkeit ist einwandfrei und wir fallen nach einem ausgiebigen Essen, einem kurzen Anruf zuhause und einer erfrischenden Dusche müde ins Bett.

Am nächsten Tag machen wir uns auf, um die Gegend zu erkunden. Wir haben zwei Tage eingeplant und können deshalb auch entspannt Nebenstrassen erkunden. Als erstes begrüsst uns ein Rudel Wildhunde. Aktuell soll es von den bedrohten Tieren noch zwischen 400 und 500 Exemplaren im Kruger geben. Ausserhalb werden sie gejagt, unter anderem von Viehzüchtern, weil sie deren Vieh reissen. Im Park sieht man sie aufgrund ihrer kleinen Zahl nicht so oft. Wir schauen ihnen eine Weile zu und fahren dann weiter.
Die Regensaison hat begonnen und das Gras ist teilweise sehr hoch. Wird ja hier auch nie gemäht… Für einen kurzen Augenblick sehen wir etwas dunklere Flecken im Augenwinkel. Es könnten Schatten sein, die Schatten sehen aber eher aus wie faule Löwen, die im hohen Gras liegen. Abrupt halten wir an und sehen tatsächlich eine Löwenfamilie. Das jüngste Mitglied hebt neugierig den Kopf, um zu sehen, wer hier die Ruhe stört. Bald aber legt auch das Löwenjunge den Kopf wieder hin und man sieht sie nur noch, wenn man weiss, wo sie liegen.
Ums nächste Eck erwartet uns eine Elefantenfamilie. Gemächlich spazieren sie hinter unserem Auto vorbei, dennoch sind wir immer auf der Hut. Die Riesen können sehr schnell ihre Laune ändern und unser Auto würde zum Spielball. Gerade in der Regenzeit, wenn sie frisch Junge haben, muss man genügend Abstand einhalten.

Wir sind müde und wollen zurück ins Camp. Für den späteren Abend haben wir noch einen Night-Drive geplant und wollen vorher noch essen und uns ausruhen. Aber der Park hat noch etwas Besonderes mit uns vor… Noch ein Leopard, etwas in der Ferne, aber dennoch gut zu erkennen, liegt faul auf einem Baum. Er scheint nicht so amused zu sein darüber, dass eine Reihe Autos vom Strassenrand zu seinem Schlafplatz gaffen. Offenbar ist er aber zu faul um sich ein anderes Plätzchen zu suchen 😀
Und auf dem letzten Abschnitt wartet ein Löwenbrüder-Pärchen auf uns. Erinnert ihr euch daran, dass wir euch gesagt haben, dass die Filmindustrie uns ganz schön an der Nase rumführt? Hier kommt die Geschichte und ein kleiner Filmausschnitt dazu… Das Film-Intro einer grossen Produktionsfirma zeigt einen Löwen, der in die Kamera brüllt. Jeder von uns denkt nun, dass Löwen genau so brüllen. Ausser die Menschen, die Löwen schon mal in freier Wildbahn gesehen haben. Denn die wissen, dass sie höchstens im Kampf so klingen, niemals aber wenn sie alleine irgendwo sind. Die Laute, die sie dann von sich geben dienen meist der Kommunikation mit ihrem Rudel. Es sind Ruflaute, die man über fünf Kilometer weit hören kann. Während wir also die beiden Jungs beobachten, fängt der eine tatsächlich an, nach seinem Rudel zu rufen – und der zweite stimmt gleich mit ein 🙂

So klingen Löwen wirklich

Night drive um Satara

Ein Tag voller toller Sichtungen geht zu Ende. Für die Nach haben wir aber noch eine Fahrt mit einem ausgebildeten Guide der South African National Parks gebucht. Die Reservation kann man an der Rezeption des Camps spontan vornehmen. Bei unserem ersten Drive haben wir „nur“ Impalas, Elefanten und Giraffen gesehen. Dafür konnten wir vom enormen Wissen unseres Guides profitieren, der uns über viele Tiere Informationen und Geschichten weiterzugeben wusste. Ausserdem war es auch mal schön, einfach den Sternenhimmel und die Geräuschkulisse des Buschs zu geniessen.
Heute scheint die Region um Satara viel belebter zu sein. Wir sehen einen Honigdachs, ein sehr scheues Tier, das Nachts die Kühlschränke in den Camps unsicher macht. Wir sehen Elefantenherden, die sich an einem Wasserloch abkühlen. Impalas suchen in der Dunkelheit Schutz vor Löwen. Ein Chamäleon, kaum sichtbar, verharrt auf einem Ast und wartet auf die nächste Beute. Aber besonders freuen dürfen wir uns über die beiden Katzenarten unten. Die Afrikanische Wildkatze ist leider in den meisten Fällen nur noch als Hybrid, also eine Mischung zwischen den „echen“ und den domestizierten Katzen anzutreffen. So auch das exemplar unten. Man erkennt sie an der Länge ihrer Beine. Die „echten“ African Wildcats haben längere Beine als die domestizierten oder Hybride. Die Ginsterkatze ist sehr scheu und ausschliesslich nachtaktiv. Bis in den 80er Jahren war ihr Fell sehr begehrt. Heute ist sie in den meisten Ländern geschützt und ihr Fell wird kaum noch verarbeitet.

Und so endet unser Aufenthalt in Satara und wir freuen uns auf unseren nächsten Halt. Es sind wiederum vier Tage bei Freunden eingeplant, auf die wir uns sehr freuen. Diese Unterkunft ist eher gehoben und ausserhalb des Parks. Dennoch wären wir innert 5 Minuten auch wieder am Gate, für den Fall, dass wir Sehnsucht hätten. Wir sind gespannt 🙂

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